Ayurveda-Lexikon
Ayurvedische Fachbegriffe stehen überall, erklärt werden sie selten. Hier stehen 22 davon, jeweils in zwei bis drei Sätzen: die drei Doshas, die Begriffe rund um Verdauung und Stoffwechsel, die Anwendungen, die es in meiner Praxis in Lüneburg gibt, und die Routinen für den Alltag.
Grundbegriffe
Die Begriffe, ohne die kein ayurvedischer Text auskommt. Wer diese sechs kennt, versteht den Rest.
Ayurveda— Wissen vom Leben
- Ayurveda ist eine jahrtausendealte Gesundheitslehre aus Indien, die den Menschen als Ganzes betrachtet: Körper, Geist und Alltag. Statt Symptome zu überdecken, sucht sie die Ursachen und stärkt das, was von innen trägt. In Deutschland gilt Ayurveda nicht als Medizin, sondern als Gesundheits- und Wellnesslehre.
Dosha— Bioenergie, Funktionsprinzip
- Ein Dosha ist eines der drei Funktionsprinzipien, aus denen der Ayurveda jeden Menschen zusammensetzt: Vata, Pitta und Kapha. Jeder Mensch trägt alle drei, aber in einem individuellen Verhältnis. Dieses Verhältnis ist die Grundkonstitution. Welcher Dosha-Typ bist du?
Vata— Bewegung, Luft und Raum
- Vata ist das Prinzip der Bewegung: Atmung, Nervenimpulse, Gedanken, alles Trockene, Kalte und Leichte. Ein Übermaß zeigt sich typischerweise als Unruhe, Kälteempfindlichkeit, Schlaflosigkeit und schnell wechselnde Aufmerksamkeit. Der norddeutsche Winter gilt als Vata-Zeit.
Pitta— Umwandlung, Feuer und Wasser
- Pitta ist das Prinzip der Umwandlung: Verdauung, Stoffwechsel, Schärfe im Denken. Ein Übermaß zeigt sich als Hitze, Ungeduld, Reizbarkeit und Hautreaktionen. Der Hochsommer und die Mittagszeit gelten als Pitta-Zeiten.
Kapha— Struktur, Erde und Wasser
- Kapha ist das Prinzip der Struktur und Stabilität: Gewebe, Ausdauer, Ruhe, Geduld. Ein Übermaß zeigt sich als Schwere, Trägheit und Anhänglichkeit. Das Frühjahr gilt als Kapha-Zeit — das ist der Grund, warum Reinigungskuren traditionell dann stattfinden.
Prakriti— Grundkonstitution
- Prakriti ist das Dosha-Verhältnis, mit dem ein Mensch geboren wird. Es ändert sich im Leben nicht. Davon zu unterscheiden ist Vikriti, der aktuelle Zustand — die Abweichung von der Grundkonstitution, die durch Jahreszeit, Alter, Ernährung und Stress entsteht. Konstitutionsanalyse in der Beratung
Verdauung und Stoffwechsel
Die Verdauung steht im Ayurveda im Zentrum. Fast jede Empfehlung zielt am Ende darauf.
Agni— Verdauungsfeuer
- Agni bezeichnet die Verdauungskraft. Der Gedanke dahinter: Nicht allein was du isst entscheidet, sondern ob dein System es verarbeiten kann. Ein stabiles Agni gilt im Ayurveda als Grundlage von Gesundheit — deshalb die Betonung von warmem Essen, festen Zeiten und Ruhe beim Essen. Ayurveda und Verdauung
Ama— Unverdautes, Schlacke
- Ama ist der Begriff für alles, was nicht vollständig verdaut wurde und im System zurückbleibt. Als typische Hinweise gelten ein belegter Zungenbelag am Morgen, Schwere nach dem Essen und Müdigkeit ohne erkennbaren Grund. Reinigungskuren zielen auf Ama. Detoxkur für zu Hause
Ojas— Lebenskraft, Widerstandsfähigkeit
- Ojas beschreibt im Ayurveda die feinste Essenz einer guten Verdauung — das, was Belastbarkeit, Ausstrahlung und Immunkraft trägt. Es gilt als aufbaubar durch warmes Essen, Öl, ausreichenden Schlaf und Ruhe, und als abbaubar durch Dauerstress und Überforderung.
Panchakarma— die fünf Handlungen
- Panchakarma ist die klassische, intensive ayurvedische Reinigungs- und Ausleitungskur, traditionell stationär über zwei bis vier Wochen unter ärztlicher Aufsicht. Davon zu unterscheiden ist die deutlich sanftere Kur für zu Hause, die berufsbegleitend läuft. Kur zu Hause oder Einzelbehandlung?
Anwendungen
Die Behandlungen, die in meiner Praxis in Lüneburg tatsächlich stattfinden.
Abhyanga— Einölen, Ganzkörper-Ölmassage
- Abhyanga ist die klassische ayurvedische Ganzkörpermassage mit warmem Öl. Sie folgt festen Bahnen, meist von der Körpermitte nach außen, und das Öl wird nach Konstitution und aktuellem Zustand gewählt. Sie gilt als der übliche Einstieg in ayurvedische Behandlungen. Abhyanga in Lüneburg
Pinda Sveda— Kräuterstempelmassage
- Bei Pinda Sveda werden erwärmte Stoffbeutel mit Kräutern über den Körper geführt. Es ist die wärmendste der ayurvedischen Anwendungen und wird typischerweise gewählt, wenn jemand schnell friert oder der Kreislauf träge läuft. Pinda Sveda in Lüneburg
Udvartana— Kräuterpulvermassage
- Udvartana arbeitet mit trockenem oder leicht angefeuchtetem Kräuterpulver statt mit Öl. Die Anwendung wirkt wie ein belebendes Peeling: sie strafft und klärt die Haut und wird als aktivierend erlebt. Udvartana in Lüneburg
Garshana— Seidenhandschuhmassage
- Garshana ist eine Trockenmassage mit Seidenhandschuhen, ohne Öl. Sie fördert die Durchblutung der Haut und wirkt eher aktivierend als beruhigend — damit ist sie das Gegenstück zur Abhyanga. Garshana in Lüneburg
Schröpfen
- Beim Schröpfen erzeugen aufgesetzte Gläser einen Unterdruck, der das Gewebe anhebt statt es zusammenzudrücken. Bei der Schröpfmassage bleiben die Gläser nicht stehen, sondern werden über die geölte Haut geführt. Sichtbare runde Male für einige Tage gehören dazu. Schröpfen in Lüneburg
Lomi Lomi Nui— hawaiianische Massage
- Lomi Lomi Nui ist keine ayurvedische, sondern eine traditionelle hawaiianische Massage. Sie arbeitet mit langen, fließenden Bewegungen, häufig mit dem Unterarm, und zerlegt den Körper weniger in Zonen als eine klassische Massage. Lomi Lomi Nui in Lüneburg
Matrukanyasa— Chakrablüten-Reinigung
- Matrukanyasa ist eine energetische Anwendung aus der vedischen Heilkunst, die mit Mantren und Handarbeit an den Chakren arbeitet. Sie ist keine Massage und keine medizinische Behandlung, sondern eine Form energetischer Ausbalancierung.
Alltag und Routinen
Der Teil des Ayurveda, der ohne Termin auskommt — und der über die Zeit am meisten verändert.
Dinacharya— Tagesroutine
- Dinacharya ist die ayurvedische Tagesroutine: feste Zeiten für Aufstehen, Essen und Schlafen, dazu Körperpflege am Morgen. Sie gilt als das wirksamste ayurvedische Werkzeug überhaupt, weil sie täglich stattfindet statt gelegentlich. Ayurvedische Morgenroutine
Ritucharya— Jahreszeitenroutine
- Ritucharya bezeichnet die Anpassung von Ernährung und Routinen an die Jahreszeit. Für Norddeutschland heißt das vor allem: von Oktober bis März Wärme, Öl und Regelmäßigkeit gegen Kälte, Wind und Feuchtigkeit. Ayurveda im norddeutschen Herbst
Gandusha— Ölziehen
- Gandusha ist das morgendliche Spülen des Mundes mit Öl, traditionell mit Sesamöl, über fünf bis zwanzig Minuten. Es ist Teil der Dinacharya und wird zusammen mit der Zungenreinigung vor dem Frühstück durchgeführt.
Sadvritta— gutes Verhalten
- Sadvritta fasst die ayurvedischen Empfehlungen zum Umgang mit sich selbst und anderen zusammen: Regelmäßigkeit, Ehrlichkeit, Maß, Umgang mit Ärger. Es ist der Teil des Ayurveda, der am wenigsten nach Behandlung aussieht und am meisten mit mentaler Balance zu tun hat.
Rasa— Geschmack
- Der Ayurveda kennt sechs Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb. Eine vollständige Mahlzeit enthält idealerweise alle sechs — das ist der praktische Kern ayurvedischer Ernährung und der Grund, warum es nicht um Verbote geht, sondern um Vollständigkeit. Ayurvedisch essen ohne Verbote
Die Erklärungen geben ayurvedisches Lehrwissen wieder. Sie sind keine medizinischen Aussagen: Es werden keine Diagnosen gestellt und keine Heilversprechen abgegeben.