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Alltag & Routine5 Min. Lesezeit

Die ayurvedische Morgenroutine in zwölf Minuten

Dinacharya ohne Zwei-Stunden-Programm. Fünf Schritte für den Morgen, die zusammen zwölf Minuten dauern, in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind und womit du anfängst.

Regine Goth-vom Ende, Ayurveda-Therapeutin in LüneburgRegine Goth-vom Ende, Ayurveda-Therapeutin in Lüneburg

Dinacharya heißt Tagesroutine. In vielen Büchern liest sich das wie ein Programm für Menschen ohne Job und ohne Kinder: aufstehen vor Sonnenaufgang, Meditation, Yoga, Selbstmassage, Ölziehen, dann in Ruhe frühstücken. Zwei Stunden, mindestens.

So fängt niemand an. Hier ist die kurze Fassung, die ich meinen Klientinnen und Klienten mitgebe. Sie dauert zusammen etwa zwölf Minuten.

Die Reihenfolge

1. Zunge schaben, dreißig Sekunden

Vor dem Zähneputzen, mit einem Kupfer- oder Edelstahlschaber. Einige Male von hinten nach vorn, abspülen, fertig.

Der Belag, den du morgens abschabst, ist im Ayurveda ein direktes Signal über deine Verdauung vom Vortag. Dick und weiß heißt meistens: Das Abendessen war zu spät oder zu schwer. Kein anderer Schritt gibt dir so schnell so viel Rückmeldung.

2. Ein Glas warmes Wasser, eine Minute

Nicht zu heiß, nicht zu kalt, in kleinen Schlucken. Auf nüchternen Magen. Wer möchte, gibt Ingwer dazu.

3. Ölziehen, fünf Minuten

Ein Esslöffel Sesam- oder Kokosöl im Mund hin und her ziehen, dann ausspucken, aber nicht ins Waschbecken, sondern in den Restmüll, sonst verstopft der Abfluss mit der Zeit. Danach den Mund ausspülen.

Fünf Minuten reichen. Die oft genannten zwanzig sind nett, wenn du sie hast, aber sie sind nicht der Unterschied zwischen Wirkung und keiner Wirkung.

4. Fußmassage oder kurze Selbstmassage, drei Minuten

Warmes Öl, Fußsohlen und Knöchel, kreisend. Wenn mehr Zeit ist, Arme und Beine mit langen Strichen dazu, Gelenke kreisend. Das ist die Kurzform der Abhyanga.

5. Warm frühstücken, acht Minuten Kochzeit

Porridge, Grießbrei, gedünsteter Apfel mit Gewürzen. Etwas Warmes, das gekaut werden will.

Was du wirklich brauchst

  • Einen Zungenschaber, etwa fünf Euro
  • Eine Flasche Sesamöl aus dem Bioladen
  • Einen Wasserkocher

Mehr nicht. Es gibt für jeden dieser Schritte teure Produktvarianten, und keine davon macht die Routine besser.

Der realistische Einstieg

Fang mit einem Schritt an, nicht mit fünfen. Meine Empfehlung ist fast immer der Zungenschaber, weil er dreißig Sekunden dauert und dir sofort etwas über deinen Vorabend erzählt.

Wenn der nach zwei, drei Wochen selbstverständlich läuft, nimm das warme Wasser dazu. Dann das Öl.

Eine Routine, die du an drei von sieben Tagen machst, ist besser als eine perfekte, die du nach zehn Tagen aufgibst.

Und der Abend?

Ehrlich gesagt entscheidet der Abend über den Morgen. Wenn du um 22 Uhr noch schwer isst und bis Mitternacht am Handy hängst, wird die beste Morgenroutine das nicht ausgleichen.

Zwei Dinge, die mehr bringen als jeder zusätzliche Morgenschritt:

  • Die letzte richtige Mahlzeit vor 20 Uhr
  • Warme Füße beim Einschlafen, notfalls mit Socken

Beides klingt zu simpel, um zu wirken. Genau darum probiert es kaum jemand aus.

Fragen dazu? Ich beantworte sie dir.

Ayurveda-Praxis am Auenweg 1 in Lüneburg. Termine nach Vereinbarung, Beratungen auch online.